Fälle aus der Praxis Teil II

Wasserplatscher mit Folgen

Der Patient war mit seinen Kindern im Spaßbad. Dabei stürzte er aus ca. 2 m Höhe auf die Wasseroberfläche. Das führte zu einem kleinen Bluterguss an der Pobacke. Zwei Tage später begann die Stelle stark zu schmerzen. Sie zeigte eine flammende Rötung, die sich sich fast über die gesamte Gesäßhälfte ausbreitete. Dazu kamen Krankheitsgefühl, leichtes Fieber und Schüttelfrost.

 

Am Sonntag im Notdienst war effektives Handeln gefragt. Ein Erysipel, auch Wundrose oder Rotlauf genannt, ist nämlich eine lebensgefährliche Erkrankung. Hier sind Bakterien durch winzige Hautspalten eingedrungen und haben sich ausgebreitet. Wenn man da nicht schnell handelt, kann es zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung, auch Sepsis genannt, kommen.

 

Für diese Fälle haben wir ein intravenös zu verabreichendes Antibiotikum, ein Cephalosporin, in der Praxis. Bereits nach der ersten Infusion ging es dem Patienten wesentlich besser.

Ein Krampfanfall als Nebenwirkung

Zweimal schon hat die Patientin das Bewusstsein verloren. Jedesmal wurde ein Notarzt gerufen. Nach dem zweiten Vorfall kam die Patientin zu mir in die Praxis. Sie konnte sich an die Krampfanfälle nicht erinnern, wohl aber an die beiden Notärzte, die sie verdächtigten, eine Alkoholikerin zu sein. Die Sache war ziemlich eindeutig: Bewusstseinsverlust, Krämpfe nach Angaben anwesender Zeugen und ein Zungenbiss.

 

Also suchten wir nach einer Ursache und wir wurden bei den eingenommenen Medikamenten fündig. Die Patientin nahm nämlich eine antidepressiv wirkende Substanz in hoher Dosierung ein. Dieses Medikament ist derzeit bei vielen Psychiatern in Mode. Offenbar haben sowohl der Psychiater als auch die Notärzte die gefährliche Nebenwirkung nicht beachtet. Im Beipackzettel wird bei höherer Dosierung auf die häufige Gefahr von Krampfanfällen hingewiesen.

Zu wenig Luft oder zuviel?

Atemnot zählt zu den häufigen Beschwerden. Unruhe, ein Hitze- oder Kältegefühl oder Kribbeln in verschiedenen Körperteilen können begleitend auftreten. Manchmal besteht auch ein Druck auf der Brust und schließlich sehr schmerzhafte MuskelkrämpfeHier liegt der Verdacht nahe, dass zuviel geatmet -hyperventiliert - wird.

 

Bei der Hyperventilation wird zu viel Kohlendioxid (CO2) abgeatmet. Dadurch wird das Blut entsäuert (alkalisiert), was die Symptome bedingt. Gleichzeitig ziehen sich die Hirngefäße zusammen, sodass ein Sauerstoffmangel im Gehirn entstehen kann. Da sich dieser Zustand meist selbst begrenzt, ist es aber kaum möglich an einer reinen Hyperventilation zu versterben.

 

Dazu folgender Fall: Die Patientin hat eine strukturelle Herzerkrankung. Sie klagt über Atemnot. Deshalb wurde sie schon mehrfach vom Kardiologen und vom Lungenfacharzt untersucht. Beide konnten aber die Atemnot nicht hinreichend erklären und ihr auch nicht abhelfen. Sie atmet schnell und ist unruhig, fast verzweifelt. Ob sie hyperventiliert können wir einfach klären. Mit einem Gerät kann man die Sauerstoffsättigung im Blut messen. Im Fall dieser Patientin betrug sie 97%, war also hervorragend. 

 

Trotzdem wollte ich der Patientin mit einem Atemmanöver helfen. Also haben wir zusammen geatmet: einatmen, 8 Sekunden die Luft anhalten, 8 Sekunden durch die eng gestellten Lippen ausatmen. Dabei mit etwas Druck der Hände auf den Bauch alle Luft herauspressen. Dann wieder einatmen und die Schritte wiederholen...

 

Dieses Vorgehen verlangsamt die Atmung sieben- bis zehnmal. Die Sauerstoffsättigung stieg trotz der drastisch verlangsamten Atmung auf 100% an. Die Frau begann sich zu beruhigen und zu entspannen. Tatsächlich verschwand die Atemnot durch die Atemkontrolle.

Beule am Hinterkopf

Der Patient hatte schon seit Monaten eine wachsende Beule am Hinterkopf bemerkt. Nun ist sie größer als eine Walnuss und die umgebende Haut ist gespannt und etwas gerötet. Dieser Sachverhalt deutet auf eine Infektion hin, das Gewebe muss entfernt werden. 

 

Wir rasieren in der Umgebung die Haare ab. Dann wird mit einem kreisförmig um den Tumor herum eingespritzten örtlichem Betäubungsmittel die Schmerzempfindung unterdrückt. Nach dem Schnitt kommen eine große Menge Eiter und ein kugeliger Tumor zum Vorschein. Eine einzelne ganz lockere Naht ermöglicht, dass das Wundsekret abfließen und die Wunde abheilen kann.

 

Das entfernte Gewebe wurde untersucht. Es war ein Atherom, auch Grützbeutel oder Talgzyste genannt. Die Wunde ist perfekt verheilt.

Durch die Bank

Bei einer Gartenparty rutscht die Patientin über einen Biertisch. Plötzlich spürt sie einen Stich in der Hand. Es zeigte sich eine winzige Wunde an der Handfläche, die schnell zuheilte und die die Patientin daher nicht weiter beachtete. Aber irgendetwas störte dann doch. Ab und zu spürte die Patientin immer wieder einen Stich in der Umgebung der kleinen Wunde. So zog sie schließlich doch ihren Hausarzt zu Rate. Die Stelle wurde in örtlicher Betäubung mit einem kleinen Schnitt geöffnet und nach einiger Sucherei konnte ein 3,5 cm langer Holzsplitter entfernt werden. 

PKW-Plastik

Der Patient hatte eine Kollision mit dem Aussenspiegel eines PKWs mit hoher Geschwindigkeit. Die Wunde wurde in der Präklinik eines großen Münchener Klinikums genäht. Wir sollten eigentlich nur die Fäden entfernen. Aber die Wunde sah nicht gut aus. Also habe ich genauer hingesehen, ein kleines Loch unter einer Kruste sondiert und einen fast 1 cm langen übersehenen Plastiksplitter vorgefunden. Leider sieht die Wunde immer noch nicht gut aus. Deshalb braucht der Patient ein Kernspin und vielleicht muss auch noch nachoperiert werden.

 

Gerade die Erstversorgung von Wunden ist extrem wichtig für die Heilung. Man sollte sich daher immer genügend Zeit nehmen und die Wunde gründlich inspizieren und reinigen.

Der Kampf mit der Koralle

Beim Schnorcheln am Korallenriff ist der Patient auf eine scharfkantige Koralle getreten. Die ca. 8cm lange Wunde wurde am Urlaubsort genäht. Jetzt, mehrere Tage später, blutet der Schnitt an einer Ecke immer noch. Die Stelle schmerzt höllisch und sie ist etwas vorgewölbt. Der Fuß ist insgesamt etwas gerötet. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich eine gefährliche Infektion ausbreitet.

 

Die entzündete Wunde muss wiedereröffnet werden, um eine Ausbreitung der Infektion verhindern zu können. Die betroffene Stelle wird desinfiziert und örtlich betäubt. Dann werden an der Wunde die Fäden entfernt und die Wundhöhle wird wiedereröffnet. Es entleert sich Eiter. Mit dem scharfen Löffel weden Blutgerinnsel und Gewebsreste herausgekratzt. Danach sieht die Wunde schon sehr viel besser aus. Der Patient erhält ein sehr wirksames Antibiotikum. Am nächsten Tag geht es dem Patienten wieder gut.

Das Zanken mit den Zecken

Mit Zecken haben wir es in der Praxis oft zu tun. Diese Zecke wurde in unserer Praxis entfernt und unter dem Mikroskop fotografiert. Oft entdecken die Patienten aber die Zecke nicht mehr, solange sie sich noch an der Bissstelle befindet. 

 

Häufig bemerken Patienten die sogenannte Wanderröte. Diese kann sich an der Bissstelle oder auch über den ganzen Körper verteilt zeigen. Eine Rötung breitet sich dann kreisförmig aus. Diese Hauterscheinung ist typisch für eine frische Infektion mit Borrelien. Erkennt man diese Hautveränderung richtig, kann man mit einer antibiotischen Behandlung die Entstehung einer chronischen Borreliose vehindern.

 

Übersieht man auch dieses Stadium der Infektion, so kann die Borreliose chronisch werden. Sie kann sich im Nervensystem, am Herzen, aber auch in den Gelenken äußern. Oft ist es dann schwierig, den Grund für die vielfältigen Beschwerden festzumachen.

 

Eine weitere gefährliche Krankheit, die von Zecken übertragen wird, ist die sogenannte Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Gegen diese Erkrankung gibt es eine Impfung.

Problemfall Piercing

Der Patient kam mit Beschwerden an der Unterlippe. Wie sich herausstellte, hatte der Patient sich an dieser Stelle ein Piercing stechen lassen. Das Teil ragte außen aus der Unterlippe. Innen war es eingewachsen, so dass man es nicht mehr entfernen konnte.

 

Nach örtlicher Betäubung erfolgte innen ein 4 mm langer Schnitt. Es erwies sich als ziemlich schwierig, des eingewachsene Ende zum Vorschein zu bringen. Es war von einer sehr festen Kapsel aus Bindegewebe umhüllt. Am Ende konnte es jedoch freipräpariert und abgeschabt werden.

 

Zurück blieben innen und außen jeweils ein kleines Loch. In wenigen Tagen ist alles verheilt. Wie man sieht, kann das Entfernen eines Piercings viel schwieriger sein als das Stechen.

Dr. med.

Lorenz Eberle

 

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

Sportmedizin, Ernährungsmedizin,

Palliativmedizin,

Höhenmedizin (ISMM), 

Taucherarzt (GTÜM)

 

Akademische Lehrpraxis der Universität Regensburg

 

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