Fälle aus der Praxis Teil I

Alles Schwindel oder was?

Beim Trainieren im Studio befällt den Patienten ein heftiger Schwindel, seine Frau muss ihn abholen. Mittags, gleich nach der Sprechstunde, fahre ich zu ihm. Er hat mehrfach erbrochen und liegt auf dem Sofa. Über dem ganzen Stress ist er eingeschlafen. Er ist nur schwer erweckbar und auch danach noch sehr benommen. Nach zwei Minuten ist der Patient wieder ganz wach. Er berichtet von einem schrecklichen Drehschwindel, sobald er den Kopf dreht oder bewegt. Auch höre er auf einem Ohr fast nichts (Hörverlust), er vernehme auf diesem Ohr nur ein unangenehmes Hörgeräusch (Tinnitus).

 

Die Beschwerden stimmen sehr gut mit dem Krankheitsbild des Morbus Menière überein. Dabei kommt es zu einer Störung des Gleichgewichtssinns im Innenohr und damit einhergehend zu einer Irritation des Gehirns.

 

Der Patient bekommt als Soforthilfe ein Medikament gegen Übelkeit. Dazu bekommt er eine Infusion zur Förderung der Durchblutung. Innerhalb von weniger als einer Stunde geht es dem Patienten deutlich besser. Am Abend sind die Beschwerden so gut wie weg. Der Patient soll nun zur weiteren Abklärung bei einem Spezialisten vorstellig werden.

Gefährliche Fehldiagnose

Bis gestern war der Patient im Badeurlaub in Ägypten. Heute ist er in der Sprechstunde und stellt mir sein geschwollenes Bein vor. Die Schwellung bestand wohl schon am ersten Urlaubstag nach dem Hinflug. Der Patient ging zum dortigen Arzt. Es wurde Blut abgenommen und der Urin untersucht. Der Arzt glaubte einen Harnwegsinfekt zu erkennen. Das Bein ist vom Fuß bis zum Knie deutlich dicker als das andere Bein und es ist leicht bläulich verfärbt. So sieht eine tiefe Beinvenenthrombose aus.

 

Um eine Fortschwemmung des Blutgerinnsels in das Gefäßsystem zu vermeiden, muss sofort gehandelt werden. Der Patient erhält zur Blutverdünnung eine Spritze mit 8.000 Einheiten Heparin. Das Bein wird mit einem doppelten gegenläufigen Kompressionsverband versorgt. Um 15:00 Uhr bekommt der Mann einen Termin beim Gefäßspezialisten. Der bestätigt die Diagnose und beginnt sofort mit einer Markumarbehandlung zur Blutverdünnung.

 

Am nächsten Tag ist das Bein schon wieder unauffällig. Am übernächsten Tag ist der Zielbereich der Blutverdünnung erreicht. Mindestens sechs Monate lang muss nun die Blutverdünnung fortgeführt werden.

 

Das stundenlange Stillsitzen während Flugreisen kann eine solche Beinvenenthrombose auslösen. Man sollte sich während des Fluges immer wieder mal ausstrecken und die Füße so intensiv wie möglich bewegen. Auch Stützstrümpfe können vorbeugend wirken. Manche Flugreisende lassen sich vor dem Flug vorsorglich eine Heparinspritze verabreichen.

Ein beeriger Notfall?

An einem Sommerabend gegen 19:00 Uhr kommt eine aufgeregte Mutter mit einem eineinhalb Jahre alten Kind in die Praxis. Das Kind hat wohl einige unbekannte Beeren verschluckt. Die Mutter hat gut mitgedacht und einige Beeren samt Stängel und Blättern mitgebracht.

 

Wir fotografieren die Beeren und schicken das Foto per Email zum Giftnotruf München unter http://www.toxinfo.org/. Das nachfolgende Telefongespräch ergibt: Diese Beeren sind nicht giftig. Sehr zur Erleichterung aller Beteiligten.

Der Feuergürtel

Die Patientin berichtet, dass sie bereits einige Tage eine schmerzhafte Stelle am Rumpf bemerkt hat. Es sei erst ein brennender Schmerz spürbar gewesen. Nun sei auch noch ein gürtelförmiger Hautausschlag dazugekommen. 

 

Das sind die typischen Beschwerden bei Gürtelrose. Erst tut es weh. Man spürt einen unangenehmen bis sehr starken Nervenschmerz auf der Haut. Dann kommt der bläschenförmige, recht typische Hautausschlag in Form eines nach vorne herabhängenden Gürtels. Die Beschwerden treten fast immer einseitig auf. Wenn man Gürtelrose früh erkennt, kann man Folgeerscheinungen (bleibende Schmerzen an der jeweiligen Stelle) vermeiden. Man gibt jetzt Aciclovir oder ein Nachfolgepräparat.

Zusätzlich sollten die Schmerzen behandelt werden, wobei es auf eine individuelle Medikamenteneinstellung je nach Schmerzstärke ankommt.

 

Zur Vorbeugung gegen Gürtelrose gibt es übrigens eine Impfung.

Giftige Gartenarbeit

Der Patient hat Anfang April im Garten gearbeitet. Danach spürte er ein Brennen und Jucken an der Hand und sah zwei Einstiche mit Bluttröpfchen und leicht bläulicher Verfärbung. Sehr bald schwoll die Hand an. Eine fleckige Rötung breitete sich bis zum Ellenbogen aus. Es kam zeitweise zu einem Taubheitsgefühl.

 

Am nächsten Tag in meiner Praxis sah man immer noch eine deutliche Schwellung des Handrückens und die beiden Bissmarken. Auch war noch eine abblassende Hautrötung des Unterarms zu erkennen.

 

Wir haben die Bissstelle fotografiert und die Fotos an den Giftnotruf in München

(Giftnotruf: (0)89 19240)

weitergeschickt. Das folgende Telefonat klärte die Sache auf. Vermutlich lag hier der Biss einer Dornfingerspinne vor. Es könnte aber auch sein, dass eine andere gefährlichere, aus einem Terrarium entwichene Spinne, den Patienten gebissen hat. Der Patient bekam einen kühlenden Verband und ein Medikament gegen allergische Reaktionen.

 

Am Abend habe ich mir die Sache nochmal angesehen für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Übeltäterin keine Dornfingerspinne war. Glücklicherweise ging es dem Patienten aber wieder besser und auch die Schwellung war nach ein paar Tagen abgeklungen.

 

Die Dornfingerspinne konnte bei uns übrigens durch den Klimawandel heimisch werden. Sie ist die einzig bekannte heimische Giftspinnenart und kann bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen.

Leistungssport mit Leistungsknick

Der Patient treibt intensiv Sport. Nach einem kräftezehrenden Wettkampf geht es ihm jedoch nicht gut. Die sonst gewohnte Leistungsfähigkeit war weg. Bis auf eine etwas erhöhte Körpertemperatur fehlten aber eindeutige Symptome. Der erstbehandelnde Arzt nahm die Sache wohl nicht so ernst.

 

Ausdauersportler sind normalerweise sehr zäh und gesundheitlich stabil. Wegweisend in diesem Fall war der für diesen Patienten deutlich erhöhte Ruhepuls und die schon zwei Wochen lang bestehende körperliche Schwäche. Hier musste rasch und umfassend gehandelt werden. Ein Kardiologe schloss sofort eine Herzmuskelentzündung aus. Die Blutentnahme zeigte einen bedenklich erhöhten Entzündungswert, sonst aber keine Auffälligkeiten. Das Blut wurde auf Bakterien untersucht, um eine Blutvergiftung auszuschließen.

 

Ein Röntgenbild der Lunge brachte dann die Erklärung: Die weißen Flecken und Streifen auf der rechten Seite weisen auf eine bakterielle Infektion, eine Lungenentzündung hin. Der Mann kann beruhigt werden. Er erhält ein hochwirksames Antibiotikum. Bis er sein gewohntes Training wieder aufnehmen kann wird er in diesem Fall noch einige Zeit warten müssen. Zwar hat das Antibiotikum in auffälliger Weise und prompt den Zustand des Patienten gebessert, aber das nächste Röntgenbild zeigte immer noch unveränderte Schatten. Weitere Untersuchungen ergaben die Diagnose einer "organisierenden Pneumonie". Diese Erkrankung ist extrem selten. Ausgelöst wurde sie in diesem Fall offenbar durch einen bakteriellen Infekt. 

Gelenkgewässer

Ein Patient kommt mit einer schmerzhaften Knieschwellung in die Praxis. Neben den Schmerzen und der Schwellung können auch noch andere Entzündungszeichen wie Rötung, Überwärmung und eine Bewegungseinschränkung auftreten.

 

Wenn ein Gelenk verletzt wird, dann sondert die Gelenkhaut Flüssigkeit ab. Ab einer gewissen Menge kann die Gelenkflüssigkeit aber nicht mehr vom Körper selber abtransportiert werden. Das Gelenk braucht Entlastung durch eine Punktion.

 

Dazu wird das Knie desinfiziert und steril abgedeckt. Damit keine Keime ins Knie gelangen, benötigt man sterile Handschuhe und einen Mundschutz. Nun erfolgt die örtliche Betäubung. In die betäubte Haut wird mit dem Skalpell ein winziger Schnitt von ca. 2 mm angelegt. Danach wird mit einer Injektionsspritze von 20 ml das Knie punktiert und die überschüssige Flüssigkeit abgezogen.

 

Am Ende wird das Knie noch durch Druck mit der Hand "gemolken", damit sich möglichst viel Flüssigkeit entfernen läßt. In diesem Fall wurden 82 ml bernsteinfarbene Körperflüssigkeit herausgeholt. Danach kann der Patient wieder schmerzfrei gehen. Es bleibt eine winzige Wunde.

Auf Messers Schneide

Einmal nicht richtig aufgepasst und schon ist es passiert: Eine tiefe Schnittwunde klafft in der Handfläche eines Patienten. Zu allem Überfluss ist die Wunde auch noch verschmutzt. Nach der Entfernung der gröbsten Schmutzpartikel erfolgt eine gründliche Reinigung und Spülung, um die Keimlast in der Wunde zu vermindern und eine Entzündungsreaktion vorzubeugen.

 

Anschließend kann die Wunde vernäht werden, um eine folgenlose Heilung zu gewährleisten. In diesem Fall erfolgte die Naht mit ganz lockeren Situationsnähten, damit Wundsekret abfließen kann. Die Wunde ist inzwischen erfreulicherweise gut verheilt.

Dr. med.

Lorenz Eberle

 

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

Sportmedizin, Ernährungsmedizin,

Palliativmedizin,

Höhenmedizin (ISMM), 

Taucherarzt (GTÜM)

 

Akademische Lehrpraxis der Universität Regensburg

 

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