Dietrich Grönemeyer: "Wer in die hausärztliche Betreuung investiert, spart unterm Strich Kosten"

Der berühmte Arzt und Buchautor, Dietrich Grönemeyer, Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten/Herdecke, findet am 27.August 2013 in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung deutliche Worte zum Thema Hausarzt.

"Während es in Deutschland so viel Klinikbetten pro Kopf wie nirgends sonst in Europa gibt, droht dem flächendeckenden Hausarztnetz die fortschreitende Auszehrung".

Grönemeyer beklagt die stifmütterliche Behandlung der Hausärzte durch die Politik. Parteiübergreifend würden falsche Prioritäten gesetzt, so dass sich immer weniger junge Ärzte auf diesen "Knochenjob" einließen. Er spricht von einem Leben mit Hausbesuchen, für die die Hausärzte weniger bekommen als der Handwerker für die Anfahrt zur Waschmaschinenreparatur.

So komme es dazu, dass in immer mehr ländlichen Gebieten und sogar in Städten die Hausarztversorgung zusammenbreche, während man in Deutschland Weltmeister im Setzen von Linksherzkathetern sei.

Die Hausärzte könnten nach Grönemeyer in vielen Fällen mit der nötigen Prävention dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu den Erkrankungen kommt, die später teuer zu Buche schlagen.

"Wer in die Hausärztliche Betreuung investiert, spart unterm Strich Kosten."

 

Am Ende fordert Professor Grönemeyer: "Die Politik muss den Hausärzten wieder die Aufmerksamkeit schenken, die ihnen zukommt."

 

Danke, Herr Professor Grönemeyer, ich sage das nicht, weil ich Hausarzt bin, sondern weil mir die Zukunft der Patientenversorgung  am Herzen liegt.

 

 

 

 

Kein Geld für Hausärzte, aber schmierige Mitgliederwerbung: ist das geil, liebe AOK?

Die zur Zeit mit Abstand knauserigste Krankenkasse ist aus meiner Sicht die AOK Bayern. Man will dort anscheinend absolut kein Geld ausgeben und ist deshalb bereit, ausgerechnet die Hausärzte kaputt zu sparen. Die Hausarztverträge wurden entgegen der Gesetzeslage wieder mal gekündigt.

Auch weiß jeder Hausarzt ein Lied zu singen von peniblen Regressen und Rückforderungen auf den verschiedenen Sektoren durch die AOK. Zwar ist diese Politik wenig effektiv, weil die Forderungen wie bei den Impfstoffen oft ins Leere laufen, aber sie blähen die Bürokratie auf und machen die AOK verhasst.

 

Anscheinend versteht man bei der AOK Bayern die einfachsten Zusammenhänge nicht: jeder gut aufgestellte Hausarzt spart im Gesundheitssystem ein Vielfaches von dem ein, was seine Praxis kostet. Denn Hausärzte sind das einzige Mittel gegen ausufernde Krankentransporte und stationäre Behandlungen.

Viele gute weil ausreichend geförderte Hausärzte sind langfristig die beste Kostendämpfung.

Aber so ganz Pleite kann die AOK nicht sein. Man gibt hohe Millionenbeträge für eine schlüpfrige Mitgliederwerbung aus.

Zweckentfremdete Gelder der Versicherten wohlgemerkt!

So erhalten studentische Mitglieder eine sonderbare Zeitschrift namens "UNI ON" mit Themen wie "Geile Zeit-Sex auf dem Campus".

Mit Sprüchen wie "Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment", Weisheiten wie "Jeder 4. Studierende kann sich einen Sexjob für sich vorstellen" und "70% wünschen sich Sex in der Uni" versucht man sich bei den Studierenden anzubiedern. Vermutlich handelt es sich bei dieser Art von "Informationen" um neueste Forschungsarbeiten der Universität von "Penissylvanien".

 

"So treiben es die angehenden Akademiker" meinen die offenbar verklemmten und spießigen AOK-Funktionäre.

Dass diese Art der Werbung einen tiefen Blick in die neurotische Psyche der verantwortlichen AOK-Funktionäre erlaubt ist für den psychologisch Geschulten klar. Dafür gibt es einen Fachbegriff: "Projektion".

Meine Söhne (gerade noch bei der AOK versichert) und ihre studentischen Freunde können über derlei Ratschäge nur müde lächeln. Befremdung, dieses Wort charakterisiert ihre Reaktion.

Die jungen Leute haben wirklich andere Probleme.

 

Inzwischen ist uns noch eine AOK-Postille ins Haus geflattert. Dieses Mal textet die schräge Agentur der AOK: "Sommer, Sonne, Sexy- warum Flirten der Seele so guttut."

Die AOK scheint sich zur Erotik-Kasse zu entwickeln.

Flirt-Tipps statt hausärztlicher Grundversorgung, das könnte vielleicht die Lösung sein. Warum ist darauf bloß niemand gekommen?

Vielleicht weil das mehr eine Sache für die "Praline" ist? Oder für Playboy und Hustler?

 

Aber Spaß beiseite: Bei 4,3 Millionen Versicherten und 12 Publikationen pro Jahr zuzüglich entsprechenden Call-Centern, Anzeigen und sonstigen Werbeausgaben, errechnet sich unschwer ein höherer dreistelliger Millionenbetrag. Von der AOK Bayern verplemperte Versichertengelder.

Bald werden die Leute dank der AOK keine Hausärzte mehr haben, aber sie können dann besser flirten? Oder auch nicht?

 

 

 

 

 

Damit die Fäden beim Hausarzt zusammenlaufen: Überweisungen

Kaum ist die Praxisgebühr gefallen, lebt schon wieder die Diskussion um die Überweisungen auf. Ja, man kann zu jedem Arzt ohne Überweisung hingehen. Aber ist das sinnvoll?

 

Wenn der Patient keine Überweisung vorlegt, dann wird der Spezialarzt auch keinen Bericht zum Hausarzt schicken. Das wiederum kann sich als schwerer Nachteil erweisen. Es existiert dann keine ärztliche Instanz, die den Überblick behält. Manchmal kommt es zu einem Chaos an Untersuchungen und Verordnungen, wenn zum Beispiel Orthopäden, Urologen, Frauenärzte, Nervenärzte und Hautärzte nebeneinander an derselben Patientin werkeln.

Insgesamt existieren fast 40 ärztliche Spezialdisziplinen. Wer will da den Überblick behalten?

Der Mensch ist aber eine Einheit und kein Ersatzteillager. Darum ist es meist ein großer Vorteil, wenn alle Ergebnisse in einer Hand zusammenlaufen: beim Hausarzt.

 

Weiter gibt es folgendes zu bedenken: Oft benötigen Patienten nach Monaten und Jahren Auskünfte, Bescheinigungen, Gutachten für die Krankenversicherung, für andere Versicherungen, für Ämter und Behörden, für gerichtliche Auseinandersetzungen.

Wenn es dann kein zentrales Archiv über alle Vorgänge beim Hausarzt gibt, dann wird eine Recherche äußerst schwierig bis unmöglich.

 

Fazit: Der kluge Patient holt sich immer eine Überweisung.

 

 

 

 

 

 



Der Hausärztemangel in der Region 10 zeichnet sich bereits ab

Astrid Barth-Petry, Gesundheitsökonomin.  In ihrem Buch "Netzwerk Hausarzt" weist Frau Barth-Petry auf die entscheidende Bedeutung der Hausärzte für die medizinische Versorgung hin.

Für die Region 10 hat die Autorin ein Minus von 17 Hausärzten pro Jahr errechnet. Das bedeutet, dass es entgegen den Behauptungen ahnungsloser Kassenfunktionäre schon bald zu einem erschreckenden Hausarztmangel kommen wird.